Komm aus Deiner unverlinkten Ecke!

Warum die CDU in Hessen mit ihrer Microsite „Linke Ecke“ zwar ein spannendes Kampagnen-Werkzeug einsetzt, aber bei der Umsetzung noch viel Luft nach oben lässt.

Die hessische CDU hat im Angesicht der anstehenden Landtagswahlen 2013 die Kampagne „Die Linke Ecke“ gegen die oppositionelle SPD vorgestellt. Über Sinn und Zweck der Kampagne erklärt die CDU Hessen:

„Mit dem Slogan ‚Verantwortung statt linke Politik‘ und der Neuauflage das [sic!] Wahlplakatklassikers von 1975 machen wir deshalb auf die Rückschrittlichkeit der hessischen Sozialdemokraten aufmerksam.“ (Quelle: linke-ecke.de)

Pressewirksam wurde das neue alte Plakatmotiv enthüllt. Aber auch online investierte die Partei mehr als nur eine schnöde Pressemeldung und zwei Fotos. Eine Microsite wurde unter www.linke-ecke.de live geschaltet. Grundsätzlich ein ziemlich guter Gedanke. Microsites oder Landing Pages sind schließlich hervorragend dafür geeignet, um ein bestimmtes Thema online effektiv zu promoten und für eine weitere Verbreitung der Kampagne zu sorgen.

 Microsites benötigen interaktive Elemente

Dazu sollten solche Webseiten allerdings entsprechend inhaltlich wie grafisch attraktiv gestaltet sein und Call-to-Action-Elemente sollten nicht fehlen. Denn was nützt die tollste Idee, wenn keiner darüber spricht und sie so schnell wieder in Vergessenheit gerät?

Auf linke-ecke.de suche ich nach solchen Elementen leider vergebens. Nicht mal ein einziger Social-Media-Button ist irgendwo zu finden, um via Facebook oder Twitter Aufmerksamkeit zu generieren. Das höchste der Gefühle sind zusammengetragene Fakten und Zitate, welche aber recht lieblos und wenig lesefreundlich präsentiert werden. Bilder von Fotolia wirken eben immer irgendwie hölzern und kalt.

Gut versteckt und schlecht verlinkt

Darüber hinaus könnte man meinen, dass die CDU diese Kampagne schnell wieder vergessen machen möchte. Denn auf www.cdu-hessen.de muss ich sehr lange suchen, um einen Link zu dieser Microsite zu finden. Gut versteckt, ganz am Ende (wirklich weit nach unten scrollen!) einer Pressemitteilung. Bis dahin dürften aber nur die Wenigsten kommen. Besser wäre ein Button oder Banner, der auf jeder Unterseite prominent platziert ist und zudem leicht von den Parteiuntergliederungen in die eigenen Webauftritte integriert werden kann. Unverhoffte Schützenhilfe kommt übrigens von der hessischen SPD. Die hat bei ihrer Pressemeldung zu dieser Kampagne netterweise einen sehr auffälligen Link auf die Microsite gesetzt. Verstehe das, wer will.

Suchmaschinenfreundlichkeit Fehlanzeige!

Nicht zu vergessen auch der „Google-Faktor“. Spannend wäre es doch, wenn der interessierte hessische Wähler bei Google nach „SPD Hessen“ oder „Thorsten Schäfer-Gümbel“ sucht und dabei relativ weit vorne diese Microsite angezeigt werden würde. Doch dazu müsste die linke-ecke.de suchmaschinenfreundlich sein, was sie nur sehr eingeschränkt ist. Der gesamte OnSite-Bereich ist komplett unbearbeitet. Es sind z. B. keine (sinnvollen) Meta-Descriptions oder Title-Tags gesetzt und die Dateinamen der verwendeten Bilder bestehen aus technischen Zeichen wie auf der Startseite bei „http://www.epenportal.de/core/files/header/portalseite/
101547_portal.jpg„. Eine Suchmaschine kann so nur schwer „verstehen“, was das Bild zeigt. Besser wäre hier ein sprechender Dateiname wie „http://www.epenportal.de/core/files/header/portalseite/linke-ecke-spd-hessen.jpg„. Einmal ganz davon abgesehen, dass diese URL nicht auf www.epenportal.de verweisen sollte, sondern auf linke-ecke.de. Es scheint hier insgesamt ein technisches Problem des von der hessischen CDU verwendeten CMS zu sein.

Unter dem Strich bleibt so nur die an sich gute Idee, welche aber strategisch und technisch unter den Möglichkeiten umgesetzt worden ist. Brochureware pur.

Piraten mit cleverer Replik

Die hessischen Piraten haben auf die Plakatvorstellung im Übrigen auf ihre ganz eigene Weise reagiert. Unter www.rechte-socke.de haben sie eine nach eigener Aussage „satirische Kampagnen-Seite“ gestartet, um der CDU den Spiegel vorzuhalten. Zwar gab es hierfür auch juristischen Ärger wegen des Urheberrechts. Die Piraten-Seite punktet aber besonders damit, dass jeder Besucher mit sehr wenig Aufwand einen Plakat-Remix erstellen und diesen dann recht einfach in die eigene Webseite einbauen kann.