Warum wurde dem PeerBlog tatsächlich der Stecker gezogen?

Waren es wirklich anonyme Hacker, die den Steinbrück-Unterstützer-Blog mit seinen anonymen Geldgebern im Hintergrund in die Knie zwangen? Oder ist die Ursache nicht vielleicht doch eher im Zusammenhang mit der verfehlten Strategie des Blogs und möglichen juristischen Problemen zu finden?

Der PeerBlog, so schrieb es der Journalist Ulrich Horn sehr passend, ist eingegangen „ins Guinness-Buch der Rekorde: mit der Wahlkampfinitiative, die am schnellsten verpuffte“. Nach nur sechs Tagen war Schluss mit der Innovation des Online-Wahlkampfes in Deutschland nach dem Vorbild von Obama und dem Arabischen Frühling. Die den Blog betriebende Agentur Steinkühler zog kurzerhand den Stecker und schaltete den Blog offline. Schuld daran waren nach offizieller Begründung „permanente Cyber-Attacken“, ausgeführt von einer Hacker-Truppe namens „T3AM M3DUSA“ (Team Medusa).

Aber die Diskussion um den PeerBlog ist mit dem technischen K.O. des Blogs nicht abgerissen. Vielmehr kamen nun die Recherchen zum PR-Mann Steinkühler sowie enger Berater von Steinbrück richtig in Gang. Es wurden personelle Parallelen zwischen dem PeerBlog und dem „Wir in NRW Blog“ beleuchtet, die viele neue Fragen an Steinbrück und die SPD haben entstehen lassen. Ich denke, dass die Antworten noch Stück für Stück geliefert werden.

So gibt es nun auch immer größere Zweifel am ominösen „T3AM M3DUSA“. Bereits am 12.02.13 bezweifelte die IT-Expertin Constanze Kurz den Hackerangriff auf das PeerBlog in einem hörenswerten Beitrag des DRadio Wissen. Nun legt der FOCUS (übrigens der ehemalige Arbeitgeber von Steinkühler) in gleicher Weise nach und berichtet, dass es an stichhaltigen Beweisen für die behaupteten massiven Attacken fehlt. Der Provider des Blogs, Strato, habe keine „technischen Auffälligkeiten“ festgestellt. Vielmehr habe es, so informiert der FOCUS, politischen Druck aus der SPD-Zentrale in Berlin gegeben.